Ein 6-Bay-NAS im Format eines A5-Blattes – mit dieser Ansage positioniert LincPlus die LincStation N1. Fast noch bemerkenswerter als die reine Baugröße ist aber ein anderes Detail: Auf dem Gerät läuft kein hauseigenes Hersteller-Betriebssystem, sondern Unraid, mitsamt Lizenz ab Werk. LincPlus verzichtet damit bewusst auf eine eigene Software-Welt und setzt stattdessen auf ein System, das sich laut Hersteller über mehr als 2.400 Apps erweitern lässt, Docker-Container und virtuelle Maschinen mit Hardware-Passthrough beherrscht – und an das sich niemand neu gewöhnen muss, der schon einmal mit Unraid gearbeitet hat.

Dazu kommt eine für diese Geräteklasse erstaunlich üppige Ausstattung: 16 GB Arbeitsspeicher, vier M.2-NVMe-Steckplätze plus zwei 2,5-Zoll-SATA-Schächte und damit bis zu 48 TB Kapazität auf einer Stellfläche, die auf jedem Schreibtisch Platz findet.

LincStation N1

Hardware & technische Daten: Sechs Laufwerke auf A5-Fläche

Die LincStation N1 verfolgt einen anderen Ansatz als klassische NAS-Gehäuse: Statt Einschüben für 3,5-Zoll-Festplatten setzt LincPlus auf 2,5 Zoll Einschübe und NVMe SSDs. Hinter der aufklappbaren Front sitzen zwei Schächte für 2,5-Zoll-Laufwerke mit maximal 9,5 Millimetern Bauhöhe, auf der Unterseite verbergen sich hinter zwei Klappen vier M.2-Steckplätze im Format 2280. Zusammen ergibt das sechs Laufwerke und laut Hersteller bis zu 48 TB Kapazität – untergebracht in einem Metallgehäuse von 21 × 15 × 3,5 Zentimetern, also tatsächlich der Grundfläche eines A5-Blattes. Angetrieben wird das Ganze von einem Intel Celeron N5105, einem Vierkerner aus der Jasper-Lake-Generation, dem LincPlus 16 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internen eMMC-Speicher zur Seite stellt.

Technische Daten

  • Prozessor: Intel Celeron N5105 (4 Kerne, 10-nm-Fertigung)
  • Taktrate: 2,0 GHz Basis / bis zu 2,9 GHz Burst
  • Arbeitsspeicher: 16 GB DDR4 (fest verbaut)
  • Systemspeicher: 128 GB eMMC
  • 2 x 2,5″-SATA-3.0-Schächte für HDD oder SSD (max. 9,5 mm Bauhöhe)
  • 4 x M.2 NVMe 2280
  • Maximale Kapazität: bis zu 48 TB
  • 1 x 2,5GbE RJ45-Port
  • 1 x USB-C (5 Gbit/s) sowie 2 x USB-A 3.2 Gen 2
  • 1 x HDMI 2.0 (4K-Ausgabe)
  • 1 x 3,5-mm-Audioausgang
  • Abmessungen: 21 x 15 x 3,5 cm
  • Betriebssystem: Unraid OS mit Starter-Lizenz ab Werk
LincStation N1 6-Bay NAS Server - 16GB RAM, 128GB eMMC, 2 Bay x SATA HDD + 4 Bay M.2 NVMe, Intel Celeron Quad-Core, 4K HDMI, 2 Jahre Garantie, Unraid OS, Network Attached Storage (Diskless)
  • ✅ Leistungsstarkes System mit hoher Flexibilität: Der energieeffiziente Intel Celeron Quad-Core Prozessor, 16 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internes eMMC-Speicher bilden eine zuverlässige Basis. Dies ermöglicht nicht nur flüssiges 4K-Streaming und parallele Docker-Container, sondern bietet auch ausreichend Speicherplatz für die Installation alternativer Betriebssysteme nach Ihren individuellen Anforderungen.
  • ✅ Flexibles 6-Bay Speicherkonzept: Maximale Freiheit bei der Speichererweiterung! Nutzen Sie gleichzeitig 2 SATA-Bays für 2,5" HDDs (bis 9,5 mm Höhe) und 4 M.2 NVMe-Bays für 2280 SSDs. Kombinieren Sie beliebige Laufwerksgrößen und -typen nach Ihren Bedürfnissen, ohne durch RAID-Einschränkungen limitiert zu sein.

Unraid im Alltag: Kein Hersteller-OS, sondern ein ausgewachsenes System

Wer von DSM oder TOS kommt, muss bei der LincStation N1 umdenken – aber nicht im negativen Sinne. Unraid verzichtet auf die Desktop-Metapher mit Icons und Taskleiste und präsentiert stattdessen eine reine Weboberfläche mit klar getrennten Reitern für Array, Docker, virtuelle Maschinen und Freigaben. Der Kern des Systems ist das namensgebende Konzept: Statt eines klassischen RAID-Verbunds arbeitet Unraid mit einem Array aus einzeln lesbaren Laufwerken plus einer Paritätsplatte. Das bedeutet in der Praxis, dass sich Laufwerke unterschiedlicher Größe und Bauart frei mischen lassen – bei sechs Schächten, die sich auf zwei SATA-Plätze und vier M.2-Steckplätze verteilen, ist genau das der entscheidende Vorteil. Ergänzend lassen sich schnelle NVMe-SSDs als Cache-Pool einbinden, sodass Schreibzugriffe zunächst auf Flash landen und erst später ins Array wandern.

Der eigentliche Gewinn liegt aber woanders: Über das Plugin „Community Applications” stehen nach Herstellerangabe mehr als 2.400 Anwendungen bereit, die sich ohne einen einzigen Befehl auf der Kommandozeile installieren lassen. Im Test lief das Gerät mit einem für ein Gerät dieser Preisklasse durchaus respektablen Aufgebot: Immich samt zugehörigem PostgreSQL, Redis und Machine-Learning-Container für die Fotoverwaltung, Paperless-ngx mit eigener PostgreSQL-16-Instanz für das Dokumentenarchiv, Nextcloud mit MariaDB und Redis, dazu Vaultwarden als Passwortserver, Kopia für Backups und der Nginx Proxy Manager als Reverse Proxy. Parallel dazu lief Home Assistant nicht als Container, sondern als vollwertige virtuelle Maschine mit zwei zugewiesenen CPU-Kernen und 2 GB Arbeitsspeicher.

LincStation N1

Und genau hier zeigt sich, warum die 16 GB RAM kein Marketing-Argument sind, sondern der eigentliche Grund, dieses Gerät ernst zu nehmen. Trotz dieser Last waren lediglich rund 43 Prozent des Arbeitsspeichers belegt – es bleibt also spürbar Luft nach oben für weitere Container oder eine zweite VM. Das ist umso wichtiger, als der Speicher fest verlötet und damit nicht erweiterbar ist: Was ab Werk drin ist, bleibt drin. Bei vielen Mitbewerbern in dieser Preisklasse sind 4 oder 8 GB die Regel, und mit denen wäre ein Szenario wie das obige schlicht nicht darstellbar.

LincStation N2 6-Bay NAS-Server - Intel N100 Quad-Core, 16GB LPDDR5 RAM, 128GB eMMC, 10GbE, 2X SATA HDD + 4X M.2 NVMe SSD, inkl. Unraid Lizenz, Network Attached Storage (Diskless) (N2)
  • Hochmoderne Intel CPU & reichlich Arbeitsspeicher: Der sparsame Intel Alder Lake-N N100 Prozessor (4 Kerne, bis zu 3,4 GHz) arbeitet zusammen mit 16 GB fest verbautem LPDDR5 RAM. Diese Kombination unterstützt flüssiges 4K-Streaming, zügige Datensicherungen und effizientes Arbeiten mit mehreren Programmen gleichzeitig.hlüsse für direkte Nutzung: Umfassende Konnektivität mit USB-C (10 Gbit/s), USB 3.2 Gen2, HDMI 2.0 für die direkte 4K-Ausgabe an einen Monitor sowie einem 3,5-mm-Audioausgang für maximale Flexibilität.
  • 10 Gigabit Ethernet für hohe Übertragungsraten: Das integrierte 10GbE-Netzwerkinterface überträgt Daten deutlich schneller als eine 2,5GbE-Verbindung. Ideal für schnelle Dateiübertragungen, die Bearbeitung hochauflösender Videoinhalte oder die gemeinsame Nutzung durch mehrere Anwender.

Fazit: Klein, leise und für den Preis erstaunlich vielseitig

Nach den Wochen im Testbetrieb hinterlässt die LincStation N1 einen durchweg stimmigen Eindruck – vorausgesetzt, man weiß, worauf man sich einlässt. Die Kombination aus sechs Laufwerksplätzen, 16 GB RAM und einer mitgelieferten Unraid-Lizenz auf A5-Grundfläche gibt es in dieser Form kaum ein zweites Mal. Wer Docker-Container und die eine oder andere virtuelle Maschine betreiben will, bekommt hier eine Basis, die deutlich mehr trägt, als die schlichte Bauform vermuten lässt.

Beim Durchsatz bleibt das Gerät im Rahmen dessen, was der 2,5-GbE-Anschluss hergibt: Rund 260 MB/s erreichte ich im Test lesend wie schreibend auf die NVMe-SSD. Das ist praktisch das, was über diese Anbindung erreichbar ist, und für Dateiablage, Fotoarchiv, Backups oder einen Medienserver völlig ausreichend. Wer mehr braucht, sollte allerdings gleich eine Etage höher schauen: Mit der LincStation N2 bietet LincPlus bei identischer Baugröße ein Modell mit stärkerer CPU und 10-GbE-Anbindung an – der logische Schritt für alle, denen 2,5 GbE zu knapp wird.

Ein Detail, das man kennen sollte: Unraid startet nicht vom internen eMMC-Speicher, sondern von einem kleinen USB-Stick, der zwischen den NVMe-Steckplätzen versteckt sitzt. Das ist bei Unraid systembedingt so, überrascht aber jeden, der zum ersten Mal die Bodenklappen öffnet. Wer das Gerät später mit einem anderen Betriebssystem betreiben möchte, hat hier gleichzeitig einen einfachen Ansatzpunkt.

Zur Lautstärke ein ehrliches Wort, weil „lautlos” in vielen Beschreibungen zu diesem Gerätetyp auftaucht: Lautlos ist die N1 nicht. In 20 Zentimetern Abstand habe ich rund 30 dB gemessen – schwankend, und ausdrücklich als Alltagsangabe zu verstehen, nicht als Labormessung. Zur Einordnung: Das entspricht in etwa einem leisen Flüstern. Bemerkenswert ist dabei, dass ich den Lüfter im gesamten Testzeitraum kein einziges Mal gehört habe; er blieb schlicht stehen. Damit ist die N1 leise genug, um im Wohnzimmer oder auf dem Schreibtisch zu stehen, ohne zu stören – nur eben nicht völlig stumm.