Nachdem kürzlich die neue Synology DS1621xs+ mit 10GbE ab Werk vorgestellt wurde, legt der Hersteller noch einmal nach. Nunmehr bringt Synology die neue DS1621+ als Nachfolger der DS1618+ heraus. Dabei wird erstmals ein AMD Ryzen V1500B Quad Core Prozessor mit festem Takt von 2,2 GHz verbaut. Obwohl die CPU zwei 10GbE Schnittstellen zur Verfügung stellt, verzichtet Synology darauf und verbaut in der DS1621+ wie beim Vorgängermodell vier mal Gigabit Ethernet. Reicht die Mehrleistung von 174 % höheren 4K Random Read IOPS und 76 % schnelleres sequentielles Schreiben im Vergleich zum Vorgängermodell und M.2 2280-Steckplätze für NVMe SSD aus, den potentiellen Käufer von diesem Gerät zu überzeugen?

DS1621+

Synology DS1621+ die Hardware

Zuerst komme ich zum verbauten Prozessor, ein AMD RyzenV1500B auf Basis der V-Series V1000 für Mikroserver mit integrierter Peripherie. Erstmals 2018 von AMD auf den Markt gebracht und zum ersten Mal in einer DiskStation verbaut. Dabei takten die vier Kerne auf 2,2 GHz und hat keine Radeon Grafik verbaut wie andere CPUs der Serie. Wobei von Haus aus 4 GB DDR4 ECC RAM verbaut sind und sie ist auf bis zu 32 GB erweiterbar. Sechs Laufwerkseinschübe und die Speicherkapazität kann mit zwei Synology DX517 Expansionseinheiten auf bis zu 16 Laufwerke erweitert werden. Wie bereits von vielen Modellen bekannt, sind zwei M.2 2280 NVMe SSD Steckplätze verfügbar und damit ist für den SSD-Cache auch in der DS1621+ keine PCIe 3.0 Karte mehr von Nöten. Dennoch steht für eine Hochleistungs-Netzwerkschnittstellenkarte ein solcher Steckplatz zur Verfügung.

Sofern der Anwender eine 10 GbE Schnittstelle benötigt, kann eine 10 GbE PCIe Netzwerkkarte wie die Synology E10G18-T1, E10G18-T2 und E10G17-F2 verbaut werden. Weiterhin hat Synology in der DS1621+ vier 1 Gbit/s Ethernetports  verbaut, wie es bereits bei der DS1618+ der Fall war. Ferner stehen drei USB 3.0 Ports bereit, zwei auf der Rückseite und einer vorne. Hingegen sind die zwei eSATA Ports für die DX517 Erweiterungseinheiten reserviert.

Synology DiskStation DS1621+, NAS Server, 6-Bay, erweiterbar
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DS1621+

DS1621+ Allgemein

Äußerlich kommt die Synology DiskStation DS1621+ im bereits bekannten Design der DS1621xs+ oder abgewandelt dem der DS1618+ daher. Schließlich besteht das äußere Gehäuse aus Stahlblech, lediglich die vordere Blende und Laufwerkseinschübe sind aus Kunststoff gefertigt. Darüber hinaus sind die Einschübe abschließbar und jeder dieser hat eine LED verbaut um einerseits das Vorhandensein eines Laufwerks zu signalisieren und dessen Aktivität. Oben Mittig die Netztaste mit Bereitschafts-LED, links davon Status- und Warnanzeige. Rechts die vier LAN-LEDs und über dem rechten Standfuß der USB 3 Port.

Weiterhin lassen sich auf Rückseite wie bei der DS1621xs+ und DS1618+ die Systemlüfter einfach tauschen, falls notwendig. Ungeachtet dessen empfehle ich euch dringend, hier keine Drittanbieterlüfter zu verbauen. Während DiskStation mit Atom CPU durchaus leisere Noctua-Lüfter vertragen, tun es die leistungsstarken DiskStation mit Pentium, AMD Ryzen und Xeon CPUs nicht. Sobald Leistung abgefordert wird, reicht der Luftstrom dann nämlich nicht mehr aus und die DiskStation fährt aus Sicherheitsgründen automatisch herunter.

2 x 16 GB DDR4 RAM für die DS1621+
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Um an die zwei M.2 2280 NVMe SSD Steckplätze der DS1621+ zu gelangen, müssen lediglich die ersten paar Festplattenkäfige entfernt werden. Je nachdem wie viel Platz man zur Installation benötigt, was jedoch werkzeuglos erfolgt und damit einfach von Statten geht. Ebenso der Arbeitsspeicher, hinter einer kleinen Klappe auf der Unterseite ist dieser zugänglich. Dazu ist jedoch ein Schraubendreher für die zwei Schrauben notwendig. Unterhalb der Laufwerkseinschübe befindet sich das Mainboard, ein sehr großer Teil der Komponenten wird über einen großen und weitere kleine Kühlkörper und dem vorhanden Luftstrom gekühlt. Im Grunde genommen wird die Frischluft zur Kühlung der Datenträger und restlichen Hardware über die Öffnungen an den Laufwerkseinschüben vorne und dem Synology Schriftzug auf der Seite des PCIe Slots gezogen. Auf der Seite des intern verbauten Netzteils ist der Synology Schriftzug abgeklebt. Dafür hat das Netzteil einen kleinen, bisher unhörbaren Lüfter verbaut. Daher ist mein Hinweis bezüglich des Austauschs von Lüftern wirklich wichtig.

DS1621+ und Erweiterungen

Sollten sechs Festplatteneinschübe nicht genügen, können zwei DX517 Erweiterungseinheiten an die DS1621+ angeschlossen werden. Damit erhöht sich die maximale Kapazität auf 16 Festplatten. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, Synology ist stets zu den höchstmöglichen Kapazitäten der Festplatten kompatibel. Werden die aktuell 18 TB überschritten, geht davon aus, die 20 TB werden auch in der DiskStation laufen. So war es in der Vergangenheit und stellt technisch prinzipiell kein Problem dar. Zu beachten gilt jedoch, für ein einzelnes Volume mit 200TB sind mindestens 32 GB an RAM notwendig im RAID5 / RAID6 Betrieb. Ebenfalls solltet ihr darauf achten, nur in der Kompatibilitätsliste aufgeführte Laufwerke zu verwenden. Wer übrigens SHR Volumes betreiben möchte, kann dies in der DS1621+ tun, wohingegen die DS1621xs+ kein Synology Hybrid RAID unterstützt.

Beim Arbeitsspeicher setzt die DS1621+ auf DDR4 ECC SODIMM RAM und je nach Einsatz ist eine Mischung bis hin zu maximal 2 x 16 GB möglich. Original Synology Arbeitsspeicher D4ES01-4G/D4ES01-8G/D4ECSO-2666-16G ist preislich höher angesiedelt, stellt jedoch eine sichere Kompatibilität dar. Verständlichweise ohne Langszeiterfahrung war auch der Betrieb anderer Hersteller bei mir möglich. Da der PCIe Port nun nicht mehr für den SD-Cache genutzt werden muss, können 10-GbE-Netzwerkkarten verbaut werden. Somit stehen mit der Synology  E10G18-T2 zwei kupferbasierte 10 Gbit/s Anschlüsse, alternativ mit der E10G18-T1 auch nur mit einem RJ45 10 GbE Port. Zuletzt noch die E10G17-F2 dann zwei Hochgeschwindigkeits-10GbE-SFP+-Netzwerkports. Je nach Einsatzzweck und Anforderung können diverse Szenarien abgebildet werden, die E10M20-T1 ist jedoch nicht kompatibel!

200 x 10 Megapixel Bilder die Vorschau erzeugen

Einer meiner Lieblingstests, da er fern jeder Benachmarks im realen Betrieb zeigt, wie die DiskStation mit üblichen Aufgaben umgeht. Dafür kopiere von meinem Home-Ordner in den Ordner photo 200 Bilder á 10 MP JPEG out of Cam. Im folgenden muss die DiskStation die Vorschaubilder für die PhotoStation und DS Photo generieren. Der Prozess convert-thumb ist dafür verantwortlich und sobald dieser im Aufgabenmanager sichtbar ist, startet die Stoppuhr. Dieser Indikator ist relativ zuverlässig und Abweichungen von maximal 5-10 Sekunden sind der Fall.

Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, verschwindet in der Menüleiste der Kreis, welcher die Erstellung der Vorschauen symbolisiert. Dieser jedoch ist nur im Verschwinden zuverlässig. Bei mehreren Tests tauchte das Symbol viel zu spät und zeitversetzt auf diversen Modellen auf. Im Grunde genommen ist es ein ungenauer Test und man sollte die Werte nicht zu streng betrachten. Dennoch spiegelt er ungefähr wieder, wie die Unterschiede in der Leistung bei Systemaufgaben sind. Gerade hier zeigt sich nämlich ein interessanter Fakt: Die DS3018xs und DS1621xs+ takten identisch und der Unterschied besteht in der Anzahl der Kerne. Während die DS3018xs einen Dualkernprozessor verbaut hat kommt die DS1621xs+ mit vier CPU Kernen daher. Dabei wird dank Hyperthreading der convert-thumb Prozess jeweils 4x respektive 8x ausgeführt. Gleiches gilt für die DS1621+, welche ebenfalls 8x den Prozess mit 2,2 GHz ausführt und entsprechend schneller die Vorschaubilder erzeugt.

DS1621xs+

Virtuelle Maschinen auf der DS1621+

Zuletzt war ich bei der DS1621xs+ überrascht, wie flüssig Windows 10 mit ausreichend CPU-Leistung, SSD Volume und genug Arbeitsspeicher läuft. Kurzum, mit 32 GB RAM lassen sich einige virtuelle Server auf der DS1621+ betreiben. Doch genau dafür ist der Virtual Machine Manager auch gedacht, um Serverdienste zu virtualisieren. Dennoch hatte ich häufig mit Anwendern zu tun, die gerne eine virtuelle Windows Maschine mit GUI auf der DiskStation laufen lassen möchten. Diese dann via Remote Desktop bedienen und von jedem Rechner den Zugriff haben. Wie auch immer die Idee dahinter war, für Windows 10 sind Geräte aus der Plus-Serie etwas zäh bedienbar, um es mit Bedacht auszudrücken. 

Unter dem Strich kann ich als Anwender locker eine Windows 10 Maschine mit 6 CPU Kernen und 12 GB RAM absolut flüssig mit Remote Desktop und einer Auflösung von 3840×2160 auf der DS1621+ laufen lassen. Somit lohnt sich bei solch einem Einsatzzweck entsprechend ein SSD Volume und ausreichend Arbeitsspeicher am Host. Letztendlich war es mir mit einfachen Anwendungen nicht möglich, einen Unterschied zur DS1621xs+ mit Windows 10 festzustellen. 

DS1621+

Blackmagic DiskSpeed Test

Beliebt ist auch immer der Blackmagic DiskSpeed Test und mein Ergebnis überrascht wenig: Um die 1.000 MB/s lesen und schreiben, sowohl auf ein SSD als auch auf den HDD Volumes. Zusätzlich habe ich das Video nicht geschnitten, damit ihr absolut nachvollziehen könnt, was ich tue. Ebenfalls zum Vergleich den Test auf meiner SSD des MacBook Pro 16 Zoll eingebaut, für euch zum Vergleich.

DS1621+

Meine Fragen an Synology

Warum wurde auf die 10GbE Schnittstelle verzichtet, obwohl der Ryzen Prozessor 2 x 10GbE Support mitbringt und ein Anschluss via PCIe bei euch um die 100€ kostet.  Ich habe diese Frage 2017/2018 schon gestellt und kenne die damalige Antwort. Daher würde ich gerne 2020 nochmal Rückfragen.

Synology:

Einer der Hauptgründe dafür, dass 10 GbE nicht direkt ab Werk verbaut wird, obwohl die CPU hierfür bereits „vorbereitet“ ist, ist tatsächlich, wie von mir beschrieben die Kostenersparnis. Ich hätte aber mehr ins Detail gehen müssen, wie sich diese ergibt. Neben dem einfachen Einbau der Ports, wäre Entwicklungsaufwendungen nötig, damit u.a. der DSM die Ports einwandfrei identifizieren und verwenden kann. Hierzu zählen auch sämtliche relevante Funktionen, wie z.B. Link Aggregation, Datenflusssteuerung, SHA, u.v.m. Unser QualityControl müsste entsprechend alles hierzu auch vollständig testen, Langzeit-Stresstests unterziehen, etc., um eine entsprechende Produktqualität zu garantieren. Diese Mehrkosten würden sich auf den Gerätepreis auswirken. Es ist allerdings so, dass der Großteil der Kunden dieser Geräteklasse 10 GbE nicht verwendet.

Durch die aktuelle Lösung kann nun der große Teil der Nutzer von einem günstigeren Gerätepreis profitieren, während Kunden, die dann wirklich für das Gerät 10 GbE verwenden möchten, die Expansionskarte optional erwerben können / müssten.

Es wurde aus Unternehmenssicht schlicht im Sinne der Mehrzahl der Anwender entschieden. Bei den XS Modellen verhält sich das wieder etwas anders, da hier 10 GbE eher zum Regelfall verwendet wird und deshalb auch die Ports, wenn möglich, bereits onboard angeboten werden, zumal die entsprechende CPU-Plattform nun auch bereits in vielen Modellen verwendet wird.

Warum wurde bei der CPU Serie auf den V1500B ohne iGPU und nicht auf den V1202B mit iGPU bei gleicher Verlustleistung gesetzt? Damit wär Transcoding für Plex, FFMPEG und so weiter wesentlich einfacher möglich und könnte durch die Radeon GPU statt durch die CPU erledigt werden.

Synology:

Auch bei der CPU-Wahl war die Relation aus Preis und Nutzen ein erheblicher Faktor. Eine CPU V1202B mit iGPU ist an sich schon etwas teurer, dazu kämen entscheidender Weise aber auch hier entsprechende Entwicklungskosten zum Support der GPU dazu. Dabei spielt Transkodierung für die typischen DS1621+ Kunden eine untergeordnete Rolle. Das Modell hat sein Hauptaugenmerk auf den Business-Bereich. Ideale Einsatzbereiche für die DS1621+ sind vor allem kleinere Betriebe oder Büros, die neben einem zentralen File-Server, u.a. die Bereitstellung der ein oder anderen Windows VM benötigen, z.b. Arztpraxen oder Kanzleien. Für die spezifischen Anforderungen von Heim-Multimedia-Enthusiasten haben wir dafür z. B. die DS1520+ oder die DS920+ im Repertoire, die auch entsprechend kostengünstiger sind.

Fazit zur DS1621+

Während in der DS1621xs+ 10GbE verbaut werden, lässt Synology bei der DS1621+ diese Schnittstelle trotz Unterstützung durch die Hardware weg. Dennoch sei gesagt, für 140€ bekomme ich die original PCIe 10GbE Netzwerkkarte und liege damit noch deutlich unter dem Preis der DS1621xs+. Weiter werden Anwender ohne 10GbE dankbar über ca. 6-8 Watt weniger sein, welche eine solche Karte benötigt. Hingegen ist der Prozessor ein deutliches Plus zum Vorgänger der DS1618+ und hängt beim erstellen der Vorschaubilder selbst die DS3018xs ab und ist nahe an der Leistung der DS1621xs+ bei diesem Test. Zudem ist der Betrieb von virtuellen Maschinen und deren GUI via Remote Desktop bei ausreichend RAM und SSD Volume möglich und die Bedienung völlig verzögerungsfrei. Schade nur, dass auf die Radeon Vega Grafik verzichtet wurde bei der Wahl der CPU. Hier würden sich manche wohl sehr freuen.

Zuletzt bleibt zu sagen, es ist ein wesentlicher Leistungssprung von der DS1618+ zur DS1621+. Wer sich mehr CPU Leistung gewünscht hat, wird jetzt damit bedient. Die Zahlen meiner Tests sprechen dafür. Schlussendlich tut die Anschaffung einer 10GbE Netzwerkkarte nicht dermaßen weh, ein SSD Cache kann über die intern verbauten NVMe Steckplätze realisiert werden.

Über welche Produkte ich berichte, diese teste oder nicht, entscheide ich selbst. Für einen Testbericht bekomme ich kein Geld oder andere Gegenleistung vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass ich über ein Produkt nicht berichte, obwohl ein Testgerät vorliegt.

Test- und Reviewexemplare bekomme ich in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Teilweise geschieht das auch vor offizieller Markteinführung. So kann ich den Testbericht zeitnah und rechtzeitig zur Veröffentlichung des Produkts bringen.

Vorserienmodelle werden von mir jedoch nicht getestet, da sie von der Verkaufsversion abweichen können. In einigen Fällen kaufe ich Produkte auf eigene Kosten, wenn diese bei mir zum produktiven Einsatz kommen oder weiter verkauft werden.

In der Regel sende ich Testgeräte nach Abschluss der Arbeiten an den Hersteller zurück. Die Ausnahme sind sogenannte Dauerleihstellungen: So habe ich zum Beispiel Rezensionsexemplare von Geräten, die ich über einen längeren Zeitraum nutzen und ausführlich prüfen darf. So kann beispielsweise ein Dauereinsatz im realen Umfeld genau geprüft werden, bevor ein Langzeiturteil fällt.

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