Die neue 6-Bay Synology DiskStation DS1618+ ist das High-End NAS der Plus Serie. Mit einem Intel Atom C3538 Quad Core Server-Prozessor bei 2,1 GHz und bis zu 32 GB ECC RAM sind auf dem Papier genug Leistung vorhanden. Dazu kommt die Möglichkeit der Erweiterung mit der neuen M2D18 Karte für NVMe und SATA SSDs.

Synology hat mir die DS1618+ einige Wochen vor Erscheinung zum Testen zugesandt und ich hatte ausführlich die Möglichkeit, das Gerät mit der DS1517+ und der DS3018xs zu vergleichen. Dabei zeige ich euch, was ein CPU Benachmark sagt und wie sich das in der Praxis auswirkt.

Hardware der DS1618+

Zuerst die technischen Daten, was spendiert Synology der neuen DS1618+. Äußerlich kommt das Gehäuse der Schwester aus der xs-Serie, der DS3018xs zum Einsatz. Sechs Festplatteneinschübe, welche abschließbar sind. Synology verwendet bei allen DiskStations übrigens den gleichen Schlüssel. Bis zu 32 GB ECC RAM sind möglich, das sind übrigens die gleichen Eigenschaften wie die der DS3018xs, auch hier kommt ECC RAM zum Einsatz. Ab Werk werden 4 GB DDR4-2133 Non-ECC SO-DIMM verbaut.

Beim Prozessor greift Synology auf die Einsteiger-Server-Plattform Denverton zurück. Genau genommen dem Intel Atom C3538 mit vier Kernen und 2,1 GHz auf 14 nm Lithographie und einer Verlustleistung von 15 W. 

Einer der großen Unterschiede zur DS3018xs, hier kommt ein Intel Pentium D1508 mit 25 W TDP zum Einsatz. Vier Gigabit LAN-Anschlüsse, drei USB 3.0 Ports und einer davon vorne. Zwei eSATA Ports auf der Rückseite gesellen sich zum Kensington-Anschluss.

Mit einem PCIe x8 Slot kann entweder die M2D18 Dual M.2 SSD-Adapterkarte für NVMe-SSD-Cache oder eine PCIe-Netzwerkkarte verbaut werden. Auf der Synology Kompatibilitätsliste werden passende 10GbE Ethernet Adapter aufgeführt.

Nicht alle Umgebungen machen eine 10GbE Netzwerkkarte notwendig. So kommt meiner Ansicht nach in SMB-Umgebungen viel häufiger der Datenverkehr mit kleinen bis mittelgroßen Dateien zum Tragen. Hierfür reichen vier LAN-Ports völlig aus und der NVMe-SSD-Cache spielt seine Stärke aus. Dadurch ist das Speichern solcher Dateien nahezu verzögerungsfrei möglich und heiße Dateien werden vom SSD-Cache abgerufen. Bei mir im Büro hat der SSD-Cache über zwei Jahre hervorragende Dienste geleistet und trotz der Tatsache, dass auch große Dateien übertragen werden, kommt ein 10GbE Netzwerk auch aus Kostengründen aktuell nicht in Frage.

Synology DS1618+ NAS Server
  • Leistungsstarker und skalierbarer NAS mit 6 Einschüben für datenintensive Arbeitsumgebungen
  • Quad-Core-CPU mit 2,1 GHz und AESNI- Unterstützung sowie 4 GB DDR4- RAM, erweiterbar auf bis zu 32 GB

Warum 6 Festplatteneinschübe?

Bisher hatte Synology die DS1517+ mit fünf Festplattteneinschüben im Produktportfolio. Entsprechend konnte die Zielgruppe wählen, ob SSD-Cache oder 10GbE zum Einsatz kommen soll. Bei vier genutzten Festplatten, blieb nur ein Slot für eine SSD frei, was lediglich den Lese-Cache ermöglicht. Infolgedessen blieb die Wahl zur DS1817+ oder DS3018xs zu greifen, wollten die Vorzüge von SSD Caching und 10GbE genutzt werden.

Deshalb wurde die DS1618+ mit sechs Bays ausgestattet. Nun ist es möglich, eine 10GbE Netzwerkkarte zu verbauen, vier Festplatten im RAID 5 zu konfigurieren und in den beiden verbleibenden Einschüben einen SSD-Lese- und Schreibcache zu aktivieren.

Warum ECC Speicher wichtig ist

Ausgeliefert wird wie schon erwähnt mit 4 GB DDR4-2133 Non-ECC SO-DIMM. Erweitern jedoch lässt sich dieses NAS von Synology mit ECC RAM!

Bis zu 32 GB Error-Correcting-Code Speicher (ECC-RAM) können verbaut werden. ECC-Speicher überprüft Daten im Speicher, ob diese verfälscht sein können und verhindert 99,988% der häufigsten Speicherfehler. Beim Auftreten eines Speicherfehlers kann dieser weder zu Komplikationen noch zu Konsequenzen führen. Andernfalls jedoch in Form eines Bit-Flips auftreten, welcher eine 1 zu einer 0 werden lässt.

Gerade wenn dieser Speicherfehler in einem vom Betriebssystem benutzten Teil des Speichers auftritt, kann er verheerend sein. Laut Google wird auf einem von drei Computern ein Speicherfehler auftreten. AMD sagt, bei einem 4 GB Systemspeicher tritt mindestens einmal pro Woche ein Speicherfehler auf. Je höher der Speicher, desto höher das Risiko.

Hier kommt der gleiche Speicher wie bei der DS3018xs zum Einsatz, nicht vom Titel irritieren lassen.

Danke für die Unterstützung durch den Kauf via meiner Affiliate-Links!

Hauptsächlich kommen ECC Speicher bei Servern und Arbeitsplätzen zum Einsatz, denen Datenfehler unter keinen Umständen toleriert werden können. Beispielsweise in der Wissenschaft, Finanz-Analysen oder in der Konstruktion.

Als Privatanwender kümmert man sich wahrscheinlich nicht um Speicherfehler, jedoch als professioneller Nutzer, dessen Arbeit einen hohen Stellenwert hat, sollte die Antwort zum ECC Speicher ja lauten.

Achtung! Beim ersten Start nach einem Arbeitsspeichertausch oder -upgrade wird ein Speichertest durchgeführt! Dieser Vorgang kann bis zu 10 Minuten in Anspruch nehmen, alle Infos hier.

Festplatten, leiser = langsamer!

Für Privatanwender kann ich verstehen, wenn das NAS so leise wie möglich sein soll. Hierfür wird noch der Lüfter getauscht und die DiskStation ist kaum noch hörbar. Jedoch haben wir mit der DS1618+ eine DiskStation, welche viel Leistung mitbringt. Hierdurch bleibt mir nur zu empfehlen, bei den Festplatten keine Kompromisse einzugehen. Egal welcher Hersteller, für mich sprechen Zahlen eine deutliche Sprache.

Eine WD Red mit 5.400 U/min ist leise und erreicht etwa 150 MB/s lesend und schreibend. Eine WD Red Pro ist erheblich lauter im Betrieb, dreht mit 7.200 U/min und erreicht etwa 190 MB/s lesend und schreibend.

Achte ich auf den Preis und die Vorzüge des IronWolf Health Managements, kommt für mich nichts anderes in Frage. Die Seagate IronWolf laufen bei mir seit der CeBIT 2017 problemlos 24/7, drehen ab 6 TB mit 7.200 U/min, sind leiser als die WD Red Pro und lauter als die WD Red. Zusätzlich erreichen alle Seagate IronWolf (Pro) ab 6 TB 220 MB/s lesend und schreibend.

Selbst wenn der Flaschenhals des Clients die LAN-Schnittstelle mit maximal 125 MB/s ist, erreichen bereits zwei Clients gleichzeitig theoretische 250 MB/s, bei einer Link Aggregation der DS1618+. Wer also eine DS1618+ mit leisen und langsameren Platten betreibt, sollte sich bei zwei und mehr gleichzeitigen Anwendern auf Engpässe einstellen.

Vorschau
Seagate IronWolf 6 TB
Seagate ST6000VN0041 interne Festplatte IronWolf 6 TB
WD RED 6 TB
WD Red 6TB interne Festplatte
HGST 6 TB
HGST Deskstar IDK 6TB NAS WW 6000GB Serial ATA III - Interne Festplatten (6000 GB, Serial ATA III, 7200 RPM, 3.5 Zoll, NAS, Festplatte)
U/Min. (RPM)
7.200
5.400
7.200
Titel
Seagate ST6000VN0041 interne Festplatte IronWolf 6 TB
WD Red 6TB interne Festplatte
HGST Deskstar IDK 6TB NAS WW 6000GB Serial ATA III - Interne Festplatten (6000 GB, Serial ATA III, 7200 RPM, 3.5 Zoll, NAS, Festplatte)
Preis
ab 52,70 EUR
199,40 EUR
205,99 EUR
Prime
Seagate IronWolf 6 TB
Vorschau
Seagate ST6000VN0041 interne Festplatte IronWolf 6 TB
U/Min. (RPM)
7.200
Titel
Seagate ST6000VN0041 interne Festplatte IronWolf 6 TB
Preis
ab 52,70 EUR
Prime
WD RED 6 TB
Vorschau
WD Red 6TB interne Festplatte
U/Min. (RPM)
5.400
Titel
WD Red 6TB interne Festplatte
Preis
199,40 EUR
Prime
HGST 6 TB
Vorschau
HGST Deskstar IDK 6TB NAS WW 6000GB Serial ATA III - Interne Festplatten (6000 GB, Serial ATA III, 7200 RPM, 3.5 Zoll, NAS, Festplatte)
U/Min. (RPM)
7.200
Titel
HGST Deskstar IDK 6TB NAS WW 6000GB Serial ATA III - Interne Festplatten (6000 GB, Serial ATA III, 7200 RPM, 3.5 Zoll, NAS, Festplatte)
Preis
205,99 EUR
Prime

Leider habe ich als Feedback einige Male die schlechte Verpackung von Amazon erhalten. Deshalb habe ich den Test bei anderen Lieferanten gemacht und mir 1 TB BarraCuda HDDs bestellt, nur um einen zusätzlichen Händler zu nennen, der Festplatten nach Herstellervorgaben verpackt.

Dabei hat Cyberport diese einzeln in speziellen Schaumstoff-Kartonhüllen verpackt. Solltet ihr demnach ungern bei Amazon Festplatten bestellen, hier die Alternativ und ich danke für die Affiliate-Untersützung. Der Test des Lieferanten auf meine Kosten war mir hierbei wichtig.

Prozessorleistung

Wennschon ein Update der Server CPU stattfindet, dann muss auch ein CPU Benchmark sein. Ich bediene mich der Werte, welche für die jeweiligen Prozessoren von CPU Benachmark.net ermittelt wurden. Jedoch reichen mir alleinige, theoretische Werte eines solchen Tests nicht aus. In der Praxis sieht so etwas nämlich oft ganz anders aus und der Anwender weiß nur, meine DiskStation könnte laut Test diesen Wert erreichen.

Eine Mehrleistung im Vergleich zum Vorgänger, der C2538 verbaut in der DS415+, DS1517+ und DS1817+ ist klar erkennbar. Interessanter Fakt auch, die DS3018xs mit dem D1508 hebt sich im Benchmark deutlich ab.

Was jedoch bedeutet das in der Realität? Zunächst fällt mir auf, die DS1618+ bootet schneller, als die DS1517+ mit gleichen Platten. Ein subjektives Gefühl, messbar mit der Stoppuhr, kaum brauchbar denn wer bootet die DS häufig? Wie kann ich praxisnah die Leistung der DiskStation und deren Prozessor messen und zeigen?

Die PhotoStation bietet hier ein gute CPU-Aufgabe an: 

Ich kopiere von meinem Home-Ordner in den Ordner photo 200 Bilder á 24 MP JPEG out of Cam. Dabei muss die DiskStation die Vorschaubilder für die PhotoStation und DS Photo generieren. Der Prozess convert-thumb ist dafür verantwortlich und sobald dieser im Aufgabenmanager sichtbar ist, startet die Stoppuhr. Dieser Indikator ist relativ zuverlässig und Abweichungen von maximal 5-10 Sekunden sind der Fall.

Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, verschwindet in der Menüleiste der Kreis, welcher die Erstellung der Vorschauen symbolisiert. Dieser jedoch ist nur im Verschwinden zuverlässig. Bei mehreren Tests tauchte das Symbol viel zu spät und zeitversetzt auf diversen Modellen auf.

Während der Vorgänger, die DS1517+ für die Vorschaubilder 9 Minuten und 15 Sekunden braucht, erledigt die DS1618+ diese Aufgabe in 6 Minuten und 23 Sekunden. Eine deutliche Leistungssteigerung, aus der Praxis und dem täglichen Gebrauch gegriffen. Warum jedoch ist die DS415+ mit dem gleichen Prozessor wie die DS1517+ dann schneller? Hier zeigt sich schön, wie Synology unter der Haube Verbesserungen vornimmt, die nicht dokumentiert sind.

Deutlich mehr Leistung hat die DS3018xs und erstellt aus 200 24 MP Fotos die Vorschaubilder in 4 Minuten und 31 Sekunden.

Die DS415+ läuft mit DSM 6.2 und hier nutzt der Prozess convert-thumb alle zur Verfügung stehenden Kerne, respektive Threads. Damit kann über eine Minute eingespart werden. Gut für alle Kunden von Synology zu wissen, selbst ältere Modelle profitieren deutlich von aktuellen Versionen des DiskStation Manager.

DS1618+ und virtuelle Maschinen

Seit Synology den Virtual Maschine Manager auf den Markt gebracht hat, nahm der Nutzen von leistungsfähigen NAS aus der Plus- und xs-Serie für einen VMM Host deutlich zu. Doch was kann ich von der DS1618+ und virtuellen Maschinen erwarten? Zunächst mal, RAM aufrüsten! Die DiskStation an sich läuft mit 4 GB sehr gut. Wenn eine SMB-Umgebung mit 2+ Benutzern der Fall ist, würde ich persönlich auf mindestens 8 GB gehen. Bei den heutigen Speicherpreisen kann die Vollausbaustufe von 32 GB in Betracht gezogen werden.

Welche virtuellen Maschinen kommen in Betracht?

Wenngleich Windows problemlos auf der DS1618+ läuft, sind die Ansprüche der Benutzer aus meiner Erfahrung sehr differenziert. So laufen einfache Windowsprogramme flüssig ab und lassen sich gut via Remote Desktop bedienen. Kommen Programme mit intensivem Plattenzugriff zum Einsatz, ist eine SSD als Grundlage für die VM in der DiskStation von Nöten. Übrigens würde ich persönlich immer eine SSD einbauen, auf der dann die virtuellen Maschinen laufen. Lediglich vDSM bildet hier die Ausnahme.

Zweites Feedback vieler, die VMs auf der DS1517+ eingesetzt haben war die mangelnde Prozessorleistung. Kurzum ist die Atom CPU eine Server CPU und nicht für Clientaufgaben optimiert. Während beim Pentium D1508 mehr Befehlssätze integriert sind, muss keine Umwandlung der Anweisung (kompilieren) wie beim Atom C3538 durchgeführt werden. Ergebnis ist, merklich schnellere Windows VMs auf der DS3018xs.

Demzufolge ist eine Leistungshungrige Windows VM auf der DiskStation wichtig, sollte zur DS3018xs gegriffen werden. Mein Review findet ihr hier, ich selbst habe die DS3018xs im produktiven Einsatz bei mir.

Leisere Lüfter für die DS1618+?

Für all diejenigen, welche leise Lüfter verbauen möchten, habe ich ausführlich im eigenen Video darüber berichtet. Nichtsdestotrotz rate ich bei der DS1618+ und bei der DS3018xs vom Tausch der originalen Lüfter ab! Auch wenn die DS1618+ deutlich hörbare Lüfter verbaut hat im Vergleich zur DS1517+, ist der Grund dafür die deutliche Mehrleistung! Der Prozessor kommt ohne eigenen Lüfter aus und ist auf einen Luftstrom angewiesen, der auch bei Leistungsspitzen ausreichend kühlt.

Selbst habe ich es bei der DS3018xs und leiseren Lüftern geschafft, die CPU zu überhitzen. Hierbei fährt die DiskStation automatisch herunter, um vor Hardwareschäden zu schützen. Anschließend habe ich die Originallüfter wieder verbaut, welche bei der DS3018xs identisch zur DS1618+ sind. Auch hier finde ich mich mit dem lauteren Geräuschpegel ab.

Erweiterung

Sollten sechs Festplatteneinschübe nicht genügen, können zwei DX517 Erweiterungseinheiten an die DS1618+ angeschlossen werden. Damit erhöht sich die maximale Kapazität auf 16 Festplatten. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, Synology ist stets zu den höchstmöglichen Kapazitäten der Festplatten kompatibel. Werden die aktuell 12 TB überschritten, geht davon aus, die 14 TB werden auch in der DiskStation laufen.

Angebot
Synology DX517 5 Bay Desktop-NAS-Erweiterungsgehäuse
  • Online-Volumenerweiterung
  • Dedizierte lokale Backup-Lösung

Fazit

Nach 3,5 Jahren (18.11.2014, DS1515+ Ankündigung) und dem Intel Atom C2538, einer Menge Kritik wegen Intels Prozessor Bug, kommt die DS1618+ mit neuer CPU auf den Markt. Viele erwarten eine Desktop CPU, Synology selbst hat hier erklärt, warum das absolut nicht sinnvoll ist. Im Review zeigen Benchmarks die Leistungsfähigkeit der neuen Server CPU und im Praxistest was es euch spürbar und nachvollziehbar bringt.

Sechs Einschübe, viel von der DS3018xs machen die DS1618+ zur idealen DiskStation für ambitionierte Privatanwender oder perfekt für den SMB-Bereich. Dank ständiger Optimierung vom DiskStation Manager ist die Hardware oftmals nur eine sinnvolle Entscheidung, weniger eine protzige, auf möglichst viele Schnittstellen abzielend.

Dank 32 GB RAM, fixen NVMe SSDs oder 10 GbE und SATA SSDs für den Cache ist diese DiskStation ein Allround-Talent mit großartiger Leistung bei geringem Stromverbrauch. Erst wenn virtuelle, leistungshungrige Windows VMs benötigt werden, ist die DS3018xs die sinnvollere Wahl.

Ob das Upgrade von einer DS1517+ auf die DS1618+ notwendig ist, bleibt jedem selbst überlassen. Die Vorzüge liegen auf dem Tisch, entschieden wird nach Portemonnaie und Nerd-Faktor.